Logbuch des Captains, Memoiren pt.1: zu Wasser
August 23rd, 2007
Das Leben im Internet ist sehr kontrastreich. Wochenlang wartet man auf Beute, dann kurze und heftige Aktivität, wenn eine fremde Plattform angegriffen, gekapert und versenkt wird.
Die wichtigste Arbeit an Bord besteht darin, das Schiff zuverlässig auf Kurs zu halten. Zum Navigieren benutzt man komplizierte, aber ungeheuer hilfreiche php- und Drupal-Applikationen, die Nachfolger von Seekarten und Kompass. Doch auch der moderne Social Media Pirat orientiert sich des nächtens nach wie vor gerne an den Sternen. Die Arbeit ist hart: Kommentare und Votes müssen gesetzt oder eingeholt und die in den zahlreichen Gefrechten sowie durch Wind und Wetter stark beanspruchten Weblogs immer wieder repariert werden.
Zwischen den Kämpfen und bei Nachrichtenflaute langweilt sich die Mannschaft häufig. Daher kommt es oft zu Trinkgelagen (Rumsaufen, nicht zu verwechseln mit Komasaufen) und zu digitalen Handgreiflichkeiten sexueller und asexueller Natur. Genauso leidenschaftlich wie das Trinken wird häufig das Computerspiel betrieben. Oft kommt es vor, dass ein Pirat im Dungeon all sein virtuelles Hab und Gut und sogar sein Leben verspielte, was zur Anschaffung zusätzlicher Spielkonsolen auf vielen Piratenschiffen führte.
Bei rauem Internetgang sind die Piraten durchnässt vom salzigen Wasser des unerbittlichen Blogmeeres, frieren schon mal und wärmen sich mit einer Buddel Rum. Nachts schlafen diejenigen, die keine Wache haben, dicht gedrängt in den unteren Decks. Das Piratenleben ist weit härter und weniger romantisch, als Patrick Swayzes fröhliche Piratenlieder vermuten lassen, aber immer noch charmant genug, um auch 2k7 Glücksritter in aller Welt einer missverstandenen Medienmoral entsagen zu lassen.
Ihr Kapitän Jean Lafitte.



