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Piraten im südchinesischen Meer

Da könne amerikanische Wirtschaftsautorinnen noch so viele Bücher über “One year without China” schreiben – am Piratensektor macht jedenfalls niemand der aufstrebenden Weltmacht die hegemoniale Position streitig.

Wer das nicht glauben mag oder kann, lese auf nach:

Die Zahl der Berichte über Yachten, die von Piraten weltweit überfallen wurden, hat sich dramatisch zugespitzt. Aber weder in den großen Segelzeitschriften noch in den Berichten der bekannten Cruising Clubs (SSCA, TO oder OCC) kann man viel darüber lesen. Es ist eine Art von Tabu-Thema, passt nicht richtig in das Klischee der heilen Postkartenwelt der Blauwassersegler.

Aber wer sind eigentlich die Männer und Frauen, die Gelegenheitsseglern bei bloßer Erwähnung ihres Namens einen kalten Schauer (oder mehrere) über den Rücken laufen lassen?

Seeräuber, auf Hoher See von einem privaten Schiff gegen ein anderes Schiff begangene Gewalttaten, Freiheitsberaubungen oder Plünderungen. Die an der Piraterie Beteiligten dürfen von jedem Staat auf Hoher See verfolgt und bestraft werden.

Der Autor des überaus lesenswerten Artikels hat tiefe Einsicht in die Piratenseele genommen – kein Spaß, soviel steht fest:

Nachdem ich mich intensiv mit dem Thema Piraten beschäftigt habe, möchte ich eindringlich davor warnen, Piraten als schneidige, romantische Figuren zu glorifizieren, wie man sie uns in den Piratenfilmen verkauft hat – als Männer – auch Frauen, die für Gerechtigkeit sorgen. Das Gegenteil ist der Fall.

Johnny Depp ist schuld! Und Gewalt ist immer äußerst ablehnenswert! Wir Social Media Piraten bedienen uns ja bloß des hollyoodesken Glorifikations-Images – würden aber niemals einem harmlosen Yachttouristen einen Säbel an die Kehle halten. Vor uns müssen sich bloß Blogger in acht nehmen… und die Gewalt, die wir unseren Opfern zufügen, spielt sich nicht im körperlichen Bereich ab. Wir bewohnen die Dark Fibres und hissen unsere Flagge auf jedem nicht gepatchten Server, aber physische Gewalt? No Way!

Sir Francis Drake

Drake, den die Spanier später “El Draque” (Drachen) nannten und mehr fürchteten als Sturm und See, kam zwischen 1540 und 1543 in der südwestenglischen Grafschaft Devonshire zur Welt; weder der Geburtstag noch das Geburtstagsjahr stehen fest. Schon im Alter von 13 Jahren heuerte er als Schiffsjunge auf einem Küstensegler an, mit 23 kreuzte er bereits in den Gewässern der Neuen Welt. Hier traf er erstmals auf die Spanier, die sein Schiff angriffen.

Von der Sklaverei zur Piraterie

Die ersten beiden Schiffsreisen 1562 und 1564 wurden für Drake ein großer finanzieller Erfolg. Es begann ein riesiger, einträglicher Menschenhandel zwischen Europa, Afrika und Amerika. Nachdem Drake von der Sklaverei genug hatte, wurde er Seeräuber. Als Freibeuter fuhr er gegen Spanien. Es gab damals drei Seemächte, die um die Vorherrschaft auf dem Atlantik stritten: Portugal, Spanien und England.

Die erste britische Weltumsegelung

Am 13.12.1577 brach Drake mit fünf Schiffen und 160 Mann Besatzung von Plymouth auf. Er sollte vermutlich den sagenumwobenen und in der Vorstellung damaliger Zeit gigantischen Südkontinent Terra Australis erforschen, der auf der pazifischen Seite der Magellan-Straße vermutet wurde.

Zum Abfahren der Magellan-Straße benötigten Drakes Schiffe 16 Tage, was für damalige Verhältnisse als ungewöhnlich schnell gewertet werden kann. Am Ausgang der Straße wurde die kleine Flotte 1578 von einem Sturm verstreut. Eins der Schiffe sank. Ein zweites kehrte um, nachdem es einen Monat lang nach den anderen gesucht hatte. Das dritte, die Pelican mit Drake an Bord, wurde nach Süden verschlagen. Dort kreuzte sie eine Weile, ohne Kap Hoorn allzu nahe zu kommen. Als Drake feststellte, dass die Magellan-Straße Südamerika nicht von einem weiteren Kontinent trennte, sondern nur von Feuerland und einigen anderen Inseln, und sich im Süden offene See anschloß, segelte er die chilenische Küste nach Norden.
Dort überfiel er spanische Städte und begann, unter den ungeschützten spanischen Galeonen, die nicht mit feindlichen Schiffen aus Europa rechneten, zu wildern. Dabei erbeutete er Edelmetalle im Werte von 600.000 Pfund.

In der Gegend des heutigen San Francisco, die Drake New Albion nannte, ließ er ein Fort bauen und sein Schiff ausbessern. Mit diesem Fort beanspruchte er alle von Spaniern und Franzosen unbesetzten Teile Nordamerikas für England.

Im Juni des Jahres umsegelte Drake das Kap der Guten Hoffnung. Am 26. September 1580 erreichte er den Heimathafen Plymouth und hatte somit – vermutlich ungeplant – die erste britische, und nach Magalhães(13) die zweite Weltumsegelung überhaupt vollbracht. Außerdem brachte er reiche Beute von den spanischen Handelsschiffen mit, was seinen eher heimlichen Förderern und Geldgebern, unter ihnen Königin Elisabeth I:, einen 4.000-prozentigen Gewinn auf ihre Auslagen einbrachte.

Für seine Verdienste wurde er von Elisabeth I. zum Ritter geschlagen und durfte sich fortan Sir Francis Drake nennen.